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Römische Siedlung unter Acker entdeckt
(orf.at.; 16.11.2011

In Zwentendorf (Bezirk Tulln/NÖ ist ein römisches Militärlager samt Siedlung unter der Erde entdeckt worden. Der bahnbrechende Fund bringt den Archäologen neue Erkenntnisse zur Besiedelung des Gebietes. Ausgrabungen wird es nicht geben.

Unter einem Acker am Rande von Zwentendorf befindet sich einer der grössten archäologischen Funde Niederösterreichs, sagt Stefan Groh vom Österreichischen Archäologischen Institut. Denn rund um das römische Militärlager erstreckt sich eine mehr als sieben Hektar grosse Siedlung, und zwar nur etwa zwanzig bis dreissig Zentimeter unter der Erdoberfläche.

Mit Hilfe von Luftaufnahmen und geophysikalischen Messungen konnten sich die Archäologen ein Bild der Siedlung machen. Archäologische Grabungen sind in Zwentendorf nicht erforderlich, erklärt Stefan Groh, denn die Messdaten reichen aus, um exakte Strukturen der Strassen und Häuser erkennen zu können. Eine Grabung ist daher nicht notwendig, sagt Grohl.

Die Siedlung, die im 1. bis 5.Jh. n.Chr. existiert hat, besteht aus einfachen Grubenhäusern, also kleinen Erdgruben mit Dächern oben auf. Entdeckt haben die Archäologen rund um Stefan Groh aber auch eine sogenannte Mansio - eine römische Raststation, dein Fund mit grossem Seltenheitswert, heisst es.


Weltweit grösste Gladiatorenschule präsentiert
(orf.at; 05.8.2011)

Unter dem Boden des archäologischen Parks in Petronell-Carnuntum schlummert die grösste bisher bekannte Gladiatorenschule - sie ist also noch grösser als jene beim römischen Kolosseum. Heute wurde die Sensation präsentiert.

Ein weisser Fleck auf einem Luftbild hat laut Wolfgang Neubauer, dem wissenschaftlichen Leiter der Archäologieabteilung des Ludwig Boltzmann Institutes zu intensiveren Untersuchungen geführt. "Das war der Grund warum wir hier modernste motorisierte Bodenradargeräte zum Einsatz gebracht haben, mit Antennen mit einer Auflösung von acht mal acht Zentimetern und die ein dreidimensionales Bild dessen, was sich im Untergrund verbirgt, erarbeiten. Die Daten werden am Computerbildschirm visualisiert und plötzlich sehen wir darin die Grundrisse, die Grundmauern, die Details innerhalb eines Gebäudes in einer Deutlichkeit, in einer Klarheit, wie wir es normalerweise nur aus der Medizin kennen", schildert Neubauer.

Der Fund hat sich als die grösste Gladiatorenschule herausgestellt, die bisher weltweit entdeckt wurde. Vorerst bleibt sie allerdings unter der Erde, sagt Landeshauptmann Erwin Pröll. "Wir haben hier einen Weg gewählt, der auch für die breitere Öffentlichkeit sehr interessant ist - nämlich die Einbindung in das Vermittlungsprogramm in Carnuntum als virtuelle Animation und in Form eines massstabsgetreuen 3D-Modells", so Pröll. Pröll erhofft sich durch diesen Fund einen weiteren Besucherschub für die Landesausstellung in Carnuntum, wo heute auch der 300.000ste Besucher begrüsst wurde.


Fast 30 Gramm: die schwerste antike Goldmünze Israels
(money trend 1/2011, p.10)

Eine etwa 2200 Jahre alte Goldmünze wurde bei Ausgrabungsarbeiten in Tel Kedesch im Norden Israels entdeckt. Das wertvolle Stück ist mit 27,7 g die mit Abstand schwerste in Israel ausgegrabene antike Goldmünze; normalerweise wiegen die Fundmünzen aus derselben Entstehungszeit nicht viel mehr als vier Gramm. Tel Kedesch befindet sich unweit der Grenze zum Libanon. In diesem Gebiet werden Ausgrabungen durch Teams der Universitäten von Michigan und Minnesota (beide USA) durchgeführt.

Die Münze zeigt auf der Vorderseite das Profil einer Königin, die ägyptische Umschrift bezeichnet sie als die ägyptische Königin Arsinoe II. Philadelphe (316 bis 270 v.Chr.). Diese Königin war in dritter Ehe mit ihrem Bruder Ptolemaios II. Philadelphos verheiratet. Nach Behrodenangaben wurde die seltene Münze im Jahre 191 v.Chr. in Alexandria geprägt. Dort herrschte zu dieser Zeit Ptolemaios V., dessen Frau die berühmte Königin Kleopatra I. (204 bis 176 v.Chr.) war. Auch wenn es sich wohl um eine Art Gedenkprägung handelte, kann es gut sein, dass das Prägebild in Wirklichkeit Kleopatra zeigt, allerdings in stark hellenisierter Darstellungsweise. Die Königin trägt einen zierlichen Kopfschmuck sowie ein Kopftuch; die traditionellen Kronen Ägyptens sind nicht zu sehen. Auf der Rückseite sind stilisierte Füllhörner zu erkennen.

Die schwere Münze war schon zur Zeit ihrer Entstehung vergleichsweise wertvoll. Ihr Erhaltungszustand ist hervorragend. Im Durchmesser ist sie nicht besonders gross, dafür relativ dick. Dass sie ausgerechnet in Tel Kedesch gefunden wurde, hat einen einfachen  Grund: Der Ausgrabungsort leigt an der Via Maris (lat. Meerweg; Meeresstrasse). Dabei handelt es sich um die bedeutendste Verkehrsader der Antike, die Ägypten mit anderen wichtigen Grossreichen verband; anfangs mit Mesopotamien, später auch mit Griechenland und Rom. Die Route führte vom Nil-Delta über die israelische Küstenebene, durchquerte das südliche Karmelgebirge durch den Pass des Iron-Tals und führte dann durch die Jesreel-Ebene und über die Golanhöhen nach Damaskus. Wichtige Stationen entlang der Strasse waren u.a. Gaza, Aschkelon, Aschdod, die Antipatrisfestung an den Quellen des Jarkons, Megiddo und Hazor.

Die wichtige Handelsroute erhielt ihren Namen unter römischer Herrschaft. Möglicherweise ist sie sogar mit der in der Bibel erwähnten Strasse von Ägypten bzw. der Philisterstrasse identisch. Währen der Kreuzzüge galt die Strasse als strategischer Kreuzweg.


Die Wiederbelebung der Kaiserstadt (OÖN, 09.10.2010, Magazin p.4; Redakteur: Andreas Ritzinger)
Im Freileichtmuseum Petronell wird derzeit eine hervorragende römische Therme detailgetreu rekonstruiert. Damit gewinnt der Archäologische Park Carnuntum weltweites Gewicht in der Liga der bedeutendsten antiken Stätten.

Claudius und Flavius sind bestens gelaunt. Sie sitzen nebeneinander auf dem Gemeinschaftslokus, erleichtern sich mit geröteten Gesichtern und lassen unbeschwert die Winde fahren. „Hast du gesehen wie diese laszive Livia dem armen Publius den Kopf verdreht?“, fragt Claudius feixend und schlägt sich auf die entblössten Oberschenkel. Vor lauter Lachen beginnt seine Stimme förmlich zu gurgeln. „Dabei will sich dieses raffinierte Luder doch nur einen Jux machen“, ergänzt Flavius, nicht minder amüsiert.

Die zwei Freunde tun das, was heute noch gerne geübt wird: Leute ausrichten. Das war bereits bei den „alten Römern“ üblich. Was die WC-Gewohnheiten betrifft, hat sich auch nicht viel geändert. Zwar sitzt man heute bei uns nicht mehr direkt nebeneinander auf dem Klosett, sondern wenn schon, separiert durch Trennwände. Gleich geblieben ist aber im Prinzip die Technik der Klospülung. Die Römer benutzten fliessendes Wasser, eine Errungenschaft, die sich bei uns erst viele Jahrhunderte später wieder durchsetzte. Allerdings muss gesagt werden: „Wasserklosetts“ gab es in „normalen“ Wohnhäusern nicht. Sie blieben einer reichen Oberschicht und eben öffentlichen Gebäuden, wie den Thermen, vorbehalten.

Thermen mit ihren kalten und warmen Bädern waren der gesellschaftliche Mittelpunkt einer jeden halbwegs bedeutenden Ansiedlung. Sie wurden weniger aus hygienischen Gründen aufgesucht, sondern vielmehr um Kontakte zu pflegen, den neuesten Klatsch und Tratsch, wie jenen über Livia und den liebeskranken Publius, auszutauschen sowie genüsslich zu speisen.

Im archäologischen Park Carnuntum in Petronell wird zurzeit mit grossem Aufwand und viel Herzblut die ursprüngliche Therme detailgetreu rekonstruiert. Der Leondinger Matthias Pacher ist begeistert, und um es luftig zu sagen, er schwebt gleichsam im siebten Himmel.

Denn Pacher ist nicht nur Prokurist des Kulturparks, sondern auch Archäologe mit Leib und Seele. Was hier vor sich geht sucht weitum, ja weltweit, seinesgleichen. Mit jedem Tag wird die Vergangenheit greifbar, so genau orientieren sich die Arbeiten am historischen Vorbild, das vor rund 1700 Jahren entstand. Um aus den Resten der Grundmauern die alte Therme originalgetreu auferstehen zu lassen, braucht es die hohe Kunstfertigkeit der Experimental-Archäologie. Und beispielsweise die bewundernswerte Tüftelei des oberösterreichischen Ausgrabungsleiters Franz Humer.

Diese Therme ist das „Königsprojekt“ des Parks, in dem bereits zuvor mehrere andere Gebäude wiederhergestellt worden sind. Bis zur Eröffnung der niederösterreichischen Landesausstellung im April 2011 bleibt genügend Zeit, um die letzten Arbeiten durchzuführen. Mit hoch aufragenden Rundbogenfenstern, einer repräsentativen Säulenhalle im Eingangsbereich und einer beeindruckenden Firsthöhe veredelt die Therme bereits jetzt das architektonische Ensemble im Freilichtmuseum Petronell.

Auf einer Fläche von rund 1600 m² wurden rund 9000 m³ Steinmauerwerk in antiker Bautechnik aufgerichtet. Jetzt, nachdem die „Aussenhaut“ und die antiken Heizsysteme fertiggestellt sind, wird fleissig an der Innenausstattung gearbeitet. Marmor, Stuck, aufwändige Wandmalereien sowie die ausgefeilte Heiz- und Wasserversorgungstechnik zeigen das zivilisatorische Niveau in Roms Donaumetropole Carnuntum vor rund 1700 Jahren. Die 50.000-Einwohner-Stadt war übrigens Schauplatz eines Ereignisses, das die Welt verändern sollte. Am 11. November 308 n.Chr. entschieden hier drei römische Kaiser (mehrere Kaiser waren damals üblich) über die Zukunft des Römischen Reiches. Die Ergebnisse der Kaiserkonferenz waren mitverantwortlich für den Siegeszug des Christentums und somit der abendländischen Kultur. Bereits zuvor war Carnuntum Drehscheibe der Weltpolitik. Tiberius, Marc Aurel oder Septimius Severus - sie prägten die Geschichte der „Stadt der Kaiser“. Geht es nach Pacher, soll Carnuntum künftig im wahrsten Sinne des Wortes lebendig werden. „Ich möchte Studenten dafür gewinnen, für einige Monate in die Gebäude einzuziehen, hier zu leben und zu arbeiten. Das wäre dann eine besonders interessante Form der Experimentalarchäologie und auf die Klogespräche bin ich schon gespannt!“


Die Raststation der alten Römer
(Wiener Zeitung, 22.06.2010)

Eine Art "römische Autobahnstation" aus dem zweiten Jahrhundert haben ungarische und österreichische Archäologen in Nemescso bei Szombathely in Westungarn entdeckt. Stefan Groh, Fachbereichsleiter am Österreichischen Archäologischen Institut (ÖAI), sieht Parallelen zum heutigen Autobahnsystem. "Das Verkehrssystem hatte um diese Zeit eine Qualität, wie sie erst wieder im 19. Jahrhundert mit dem Postkutschenwesen erreicht wurde", sagt er.

Die Ergebnisse von Nemescso boten den Forschern neue Erkenntnisse zur Infrastruktur der Bernsteinstraße. Die "römischen Autobahn" war eine sieben Meter breite, massiv geschotterte Hauptstraße, auf der man von der Nordgrenze des römischen Reiches bei Carnuntum in Niederösterreich bis zur oberen Adria gelangte.

Das wichtigste Transportmittel für Lasten – quasi der antike Lkw – war der Ochsenkarren. Die durchschnittliche Tagesstrecke eines Ochsenkarrens betrug elf bis 14 Kilometer. Dann mussten die Ochsen gewechselt oder ein Halt eingelegt werden. Fußgänger legten die doppelte Entfernung zurück, militärische Reiter eine bis zu siebenfache Strecke.

Entsprechend angepasst war die Infrastruktur: Alle zehn bis 14 Kilometer errichtete man in römischer Zeit an der Bernsteinstraße eine kleinere Station wie in Nemescso. Fußgänger fanden am Ende ihrer Tagesetappen ebenso eine Herberge wie Reiter, die ihre Pferde wechseln mussten.


Forscher haben die Spuren einer bisher unbekannten Schlacht entdeckt
(Spiegel online; 06.2010)

Um 235 nach Christus führten die Römer offenbar einen Feldzug in Richtung Elbe - und lieferten sich ein blutiges Gemetzel mit den Germanen.

Seit Sommer 2008 untersuchen Archäologen ein Geschehen, das ein völlig neues Licht wirft auf die Beziehung zwischen Römern und Germanen nach dem Vernichtungssieg von Arminius anno 9 in Kalkriese. Das Schlachtfeld des Harzhorns liegt mehr als 350 Marschkilometer von den einstigen römischen Stützpunkten an Rhein und Main entfernt, tief im Innern des "Freien Germanien". Kontrollierten die Römer den Norden stärker als bisher bekannt?

Nach allem, was die Forscher jetzt wissen, war hier im tiefsten Germanien eine für die damalige Zeit typische internationale Truppe unterwegs - rekrutiert aus allen Winkeln des Imperiums. Oben auf dem Harzhorn breitet der niedersächsiche Landesarchäologe Henning Haßmann eine Karte aus: "Die Römer marschierten auf einer alten
Trasse, die durchs Leinetal, die hessische Senke und die Wetterau ins Rhein-Main-Gebiet führte", erläutert er die Situation. "Heute verläuft hier die Autobahn 7." Bei Northeim schieben sich zwei Höhenzüge heran. Von Westen bilden das Harzhorn, von Osten die Ausläufer des Harzes eine natürliche Barriere. Die dazwischenliegende Enge misst kaum 300 Meter, ist teils sumpfig und war einst nur schwer passierbar. Ein 35 Meter hoher Steilhang begrenzt das Harzhorn nach Norden.

Der Feldzug gegen die Germanen wurde ein voller Erfolg. Um den Nachschub zu sichern, ließ Maximinus Thrax eine weitere Brücke über den Rhein schlagen und Straßen anlegen. Dann baute er die niedergebrannten Limeskastelle wieder auf. Schließlich griff er die Alamannen direkt in ihren Siedlungsgebieten an und schlug sie entscheidend. Der Brief, den
er wohl 236 an den Senat schickte, strotzt vor Selbstbewusstsein: "Wir können nicht so viele Worte machen, versammelte Väter, wie wir Taten verrichtet haben. Auf einer Strecke von 400 bis 500 Meilen (eine römische Meile entspricht 1480 Metern, Anm. d. Red.) haben wir die Dörfer der Germanen niedergebrannt, die Getreidefelder verheert, die Herden weggeführt, Bewaffnete niedergemacht und eine Schlacht im Sumpf geschlagen. Die Zahl der Gefangenen ist so hoch, dass das Reichsgebiet sie kaum zu fassen vermag."

Wo wurde diese "Schlacht im Sumpf" geschlagen, und welchen Weg nahmen die Römer? Bislang galt eine Lesart als wahrscheinlich, die nur 40 bis 50 Meilen annimmt - und nicht bis zu 500 Meilen. Die Historiker hielten es kaum für möglich, dass sich die Römer im 3. Jahrhundert so weit von ihren Stützpunkten am Rhein weggewagt hätten.

Das neu entdeckte Schlachtfeld am Harzhorn erzählt eine andere Geschichte. Weshalb sollte man die "Schlacht im Sumpf" nicht in dieser Landschaft vermuten? Die Moore sind erst in der Neuzeit trockengelegt worden. Den Winter 236/237 verbrachte Maximinus Thrax im heutigen Serbien. Er reorganisierte das Heer für einen abschließenden Feldzug, mit dem er das Germanenproblem ein für alle Mal aus der Welt schaffen wollte. Ganz im Stile Marc Aurels war es für ihn unausweichlich, Germanien zur römischen Provinz zu machen.


Offener Leserbrief zum Thema "Fehler auf Römerfesten"
angesichts des Gewittervorfalls in Xanten vom 27. Juni 2009

Auf sogenannten “Römerfesten” passieren so manche Fehler, vor allem bei der Darstellung von Zivilisten. Solange diese Fehler bei Nebenakteuren passieren, wie z. B. bei einer am Rande des Geschehens stehenden römischen Frau, die ihre Tunika mit einem modernen Gummizug anstatt mit einem gebundenen Gürtel in der Taille zusammenhält, wird es möglicherweise im Gedränge kaum gesehen. Aber wenn es bei HAUPTAKTEUREN passiert, die im Mittelpunkt einer Arena stehen, fällt es sofort auf und ist sehr peinlich.

So geschah es auch am 27. Juni bei den diesjährigen Römertagen “Schwerter, Brot und Spiele” im Archäologischen Park zu Xanten am Niederrhein, der Hochburg aller Römerfeste. Leider schlug nachmittags ein mächtiger Blitz in den Park ein, worauf das ganze Fest abgesagt wurde. Bei der großen Pompa, die noch stattfinden konnte, fragten sich einige Leute aus meiner Gruppe, wer auf die etwas schräge Idee gekommen ist, KAISER HADRIAN mit der Kaiserin Plotina erscheinen zu lassen, anstatt KAISER TRAJAN mit Plotina!!!

Es wäre doch naheliegender gewesen, den Kaiser vorzustellen, unter dessen Regierung die Colonia Ulpia Traiana entstand - woraus später die Stadt Xanten hervorging - und das war Kaiser Trajan. Und es war Trajan, der mit Plotina verheiratet war, nicht Hadrian. Wir waren zunächst ganz irritiert und dachten, Hadrian wäre der Gatte von Plotina gewesen. Natürlich kannten sich auch Hadrian und Plotina, aber Letztere war außerdem, bevor der Kaiser nach Germanien reiste, um 121 bereits gestorben und somit nicht mehr in der Lage gewesen, Hadrian nach Xanten zu begleiten!

Aber auch als Hadrian wirkte der Darsteller am 27. Juni in Xanten nicht wie der antike Kaiser, denn es fehlte ihm z. B. der für Hadrian so charakteristische Bart. Dass auch die Darstellerin der Kaiserin Plotina nicht standesgemäß gekleidet war, weil sie die römische Kleiderordnung nicht eingehalten hat und somit bestenfalls für eine Zofe gehalten werden konnte - nicht jedoch für eine Kaiserin -, sei nur am Rande erwähnt.

Durch falsche Informationen auf Römerfesten wird der interessierte Besucher nur in die Irre geführt. Deshalb sollte man, um das Niveau solcher Veranstaltungen nicht all zu sehr absinken zu lassen, vermehrt studierte Archäologen und Historiker einsetzen, welche die Darsteller einerseits beraten und andererseits bei Auftritten kontrollieren. Man sollte den Darstellern bei Römerfesten auch untersagen, vor dem Publikum Armbanduhren zu tragen, mit Handys herumzulaufen oder gar zu rauchen, was z. B. bei römischen Händlern, die ihre Ware feil bieten, auf vielen Festen sehr oft geschieht.

Kurz, man sollte mehr auf KLASSE hinarbeiten, anstatt auf MASSE.

Marianne Keller und Gruppe
(imperium-romanum.com schliesst sich dem Inhalt dieses offenen Leserbriefes vollinhaltlich an)

Tabula duplex
(grch. Diptychon),
Römische Wachstafel für Notizen samt Schreibgriffel

 


 

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(PL)